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News: Der Deutsche Golfverband informiert

Michael Terwort25.01.2012 / Deutsche Nationalkader der Damen
Trainingsmühe im Kader-Lehrgang
Die Sonne ist noch nicht über den Berg hinter dem Hotel geklettert, in dem der Deutsche Nationalkader der Damen Quartier gemacht hat.

 

  

In der kalten Morgenluft dampft der Atem der Sportlerinnen, die von der Laufrunde kommen und sich dann auf ihr Präzisionswerk konzentrieren. Dabei müssen sie versuchen, den Puls in den Griff zu bekommen. Ein Fehler - und eine Strafe erhöht in der nächsten Runde die Belastung vor dem folgenden Shootout nur noch weiter.

 

Wer nun meint, hier sei von einem Trainingslager den Biathletinnen um die Rekordweltmeisterin Lena Neuner die Rede, der irrt gewaltig: Nationaltrainer Marcus Neumann hat den B-Kader der Golferinnen zum Lehrgang nach Mallorca eingeladen. Mitte Januar war es dabei in der Frühe so kalt, dass der Atem kondensierte. Gegen Mittag gab es dagegen angenehme und trainingsfreundliche 16 Grad.
 

Das Trainer- und Betreuerteam hatte sich für den viertägigen Lehrgang auf der Baleareninsel ein intensives Programm zu Recht gelegt, das die acht angereisten Top-Amateure von früh am Morgen bis spät in den Abend reichlich forderte. Die Vorstellung, so ein Kaderlehrgang hätte auch nur ansatzweise Ähnlichkeiten mit dem letzten, eigenen Golfurlaub, sind total abwegig.
 

Morgenaktivierung
Anstatt morgens gemütlich auszuschlafen, in Ruhe zu frühstücken und dann bei warmem Sonnenlicht nach kurzem Einschlagen auf das erste Tee zu treten, klingelt beim Nationalkader früh der Wecker.

 

Marcus Neumann
Marcus Neumann organisiert die erste Übungsform im Morgentau auf dem Übungsgrün

 

Physiotherapeutin und Fitness-Coach Anne Dinser versetzt die Muskeln der Mädels in Habacht-Stimmung. Mit einem schweißtreibenden Programm geht es schon los, ehe es auf den Golfplatz oder die Driving Range geht.

 


Michael Terwort
Michael Terwort, der Co-Trainer von Marcus Neumann, stand heftig dampfend auf dem Grün, als er die Morgenaktivierung seines Teams mitmachte

 

Die Übungsform, bei der Fitness und Konzentration gleichermaßen trainiert werden, ähnelt tatsächlich dem Biathlon. Auf dem Puttinggreen sind unterschiedliche Aufgaben gesteckt. Kurze, mittlere und auch ganz lange Putts werden trainiert. Nach einem Putt geht es auf eine kleine Laufrunde. Der Puls muss kontrolliert werden, um den nächsten Putt konzentriert angehen zu können.

 

Sonderschicht bei Fehlputt:
Sonderschicht bei Fehlputt: Anne Dinser leitet die Kraft- und Koordinationsübungen

 

Geht ein Putt daneben, hat Anne Dinser mehrere Kraftübungen mit Medizinbällen und Therabändern aufgebaut, die vor der Laufrunde als „Strafe“ zu absolvieren sind. Zeitdruck wird aufgebaut, da für jeden gelochten Putt ein Punkt erzielt wird und in einem vorher festgesetzten Zeitfenster diejenige gewinnt, die die meisten Punkte erspielt hat. Natürlich gibt es für die Siegerin einen Bonus, die anderen bekommen einen Malus in Form weiterer Kraftübungen.


Da nach dieser Morgenübung alle Sportlerinnen heftig geschwitzt sind, geht es erst nach einer heißen Dusche auf den Platz. Es wird aber natürlich nicht einfach eine Runde Golf gespielt. Wieder gibt es Zusatzaufgaben, die die Spielerinnen unter Druck setzen. Ein Scramble wird gespielt, bei dem jeweils aus der Lage des schlechteren Balls weitergespielt werden muss. Aggressive Spielweise wird gefördert, indem auch ein geteiltes Loch vor dem nächsten Abschlag bestraft wird.


Spruenge und Sprints
Durch Sprünge und Sprints auf den Tees wird spielerisch die Explosivität trainiert

 

Der Anblick der springenden und rennenden Nationalspielerinnen sorgt auf der Anlage von Son Mutander im Norden Palmas für Aufsehen, auch wenn im Januar dort nicht viele Flights unterwegs waren.

 

Mittagszeit
Die Zeit reicht nicht für 18 Spielbahnen, da schon um 13 Uhr pünktlich das Mittagessen im Clubhaus aufgetischt wird. Schon eine Stunde später trommelt Marcus Neumann sein Team wieder auf der Driving Range zusammen. Doch nicht kollektives Bälleschlagen steht auf dem Programm.


Zirkeltraining

Zirkeltraining, bei dem alle Facetten des Golfsports mit zusätzlich eingestreuten Kraft- und Schnelligkeitsübungen trainiert werden

 

Bei den vielen Positionen, die diese vielseitige Übungsform umfasst, trifft es sich bestens, dass Marcus Neumann nicht nur von Co-Trainer Michael Terwort und Physiotherapeutin Anne Dinser unterstützt wird, sondern mit Christian Lanfermann und David Grasskamp zwei jungen Pros auf dem Kaderlehrgang hospitieren, die an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbunds in Köln gerade ihr Studium zum Diplom-Trainer absolvieren. So ist an allen Stationen immer ein Übungsleiter dabei, der dafür sorgt, dass jede Einzelübung intensiv und effektiv durchgeführt wird, egal ob mit oder ohne Golfschläger.
 

Immer beobachtet im Hintergrund Heiner Langenkamp das Geschehen. Der Sportpsychologe, der unter anderem auch die Bundesliga-Profis von Borussia Dortmund betreut, hat immer im Blick, wie sich vor allem die mentale Belastung auf die jungen Golferinnen auswirkt. Die ausgesprochen ruhige und kompetente Art, mit der der ehemalige Dozent und Leiter des Prüfungsamts der Sportwissenschaftlichen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum auf Spielerinnen und auch Trainerstab einwirkt, sorgt für eine optimale Leistungsentfaltung der Aktiven.
 

Sonnenuntergang
Um 17 Uhr ist die Sonne längst wieder hinter den Bergrücken von Mallorca untergegangen und im weniger werdenden Tageslicht ist die Übungseinheit auf der Driving Range beendet. Mit dem Shuttle geht es zurück zum Hotel, wo noch immer nicht Trainingsende ist. Auf einem Beachvolleyball-Court geht es unter Flutlicht trotz wieder empfindlich sinkender Temperaturen noch weiter. Kraftgrundlagen für die lange Saison, die Ende Januar mit den Internationalen Portugiesischen Amateur-Meisterschaften beginnen, werden mit Spielspaß gelegt.
 

Gegen 19.30 Uhr steht das gemeinsame Abendessen auf dem Programm. Wasser und Apfelsaft stehen als Getränke auf dem Tisch und fröhliche Plaudereien zeigen, dass die Mädels mit ihrem Trainerstab trotz aller Mühen viel Spaß haben.
 

Nach dem Essen hat Anne Dinser noch alle Hände voll zu tun. „Keine Wellness, sondern nur therapeutische Behandlungen“, so die Diplom-Sportwissenschaftlerin, führt sie bei den Kaderspielerinnen durch. Kleine oder größere Zipperlein werden durch die magischen Hände der Norddeutschen behandelt. Die meisten Spielerinnen haben sich aber auf ihr Zimmer zurückgezogen, um für Schule oder Uni zu lernen. Und dass nach einem Trainingstag, der über mehr als zehn Stunden die Aufmerksamkeit der Spielerinnen gefordert hat.


Der Tag war lang und hart, wie man es sich für ein ganz normales Trainingslager von Leistungssportlern eben vorzustellen hat. Ähnlichkeiten mit dem letzten Golfurlaub auf Mallorca, den viele Golfer wohl schon mindestens einmal erlebt haben, gibt es praktisch keine.

Golf ist auf internationalem Top-Amateurniveau nicht mehr und nicht weniger als Hochleistungssport, mit all seinen Anforderungen an Spielerinnen und Betreuerstab.
 

 

Quelle und Fotos: www.golf.de/dgv  -stebl´-
Kleines Bild oben: Michael Terwort, Co-Trainer von Marcus Neumann (Foto: DGV/stebl´)