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Kreuzfahrten: Cruise Liner in Hamburg

Visionäre Traumreisen über die Sieben Meere
Hamburg-Amerika Linie
Weltumspannende Kreuzfahrten mit Landausflügen zu exotischen Zielen nahmen vor rund 80 Jahren ihren Anfang.


Pionier dieses exklusiven Globetrottings war die damals schon legendäre Hamburg-Amerika Linie.

Einmal die ganze Welt umrunden und über die Vielfalt der Kontinente und Menschen staunen – das ermöglichten einst die Luxusliner der Hamburg-Amerika Linie. Die Schwesterschiffe „Reliance“ (Vertrauen) und „Resolute“ (die Entschlossene) mit jeweils fast 20.000 Tonnen waren im noch jungen Geschäft der Kreuzfahrtei weltweit die ­einzigen Grandhotels zur See.

Reedereien scheuten weder Kosten noch Mühen
Geld und Zeit spielten für die Weltenbummler in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts keine Rolle. So brauchte die Hamburger Reederei weder Kosten noch Mühe zu scheuen und vollbrachte für solche Seereisen rund um den Globus logistische Meisterleistungen. Denn sie betrat für die insgesamt rund 400 Gäste pro Schiff im wahrsten Sinne des Wortes Neuland: Landausflüge, die weltweit angeboten wurden und perfekt organisiert werden mussten.

Natürlich durfte auch an Bord der gewohnt große Komfort nicht fehlen, etwa täglich frisches Obst und Gemüse. Der Service der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz HAPAG oder Hamburg-Amerika­Linie, erwarb sich damals seinen legendär guten Ruf. Sogar Jahrzehnte später schwärmten die Passagiere noch über ihre Traumreisen auf den beiden deutschen Passagierdampfern.


Schiffs-Plakate
Mit attraktiven Plakaten von hoher grafischer Kunst lockten die Hanseaten ihre Gäste in Deutschland, England, Frankreich und den USA auf ihre Weltreisenschiffe. 1927 fand die erste globale Kreuzfahrt der „Reliance“ statt. Sie führte von New York über den Atlantik ins Mittelmeer, von dort durch den Suezkanal nach Ostasien und über den Pazifik durch den Panamakanal zurück nach New York.










Foto: Sammlung Helmut Cauer




Beispielhafter Erfolg
Die touristische Erstbefahrung einer solchen Mammutstrecke, an der die Sehenswürdigkeiten der Welt lagen, wurde zu einem beispielhaften Erfolg. Dass die Route beträchtlich länger als der Erdumfang mit seinen rund 40.000 Kilometern war, weil ja unterschiedliche Kurse zu den Attraktionen führten, bedeutete für die Gäste von damals eher eine Herausforderung. So machte kurz darauf die Schwester „Resolute“ eine ähnlich lange Reise.

In den USA warb HAPAG mit einem Slogan, der seiner Zeit weit voraus war: „The voyage of your dreams“. Und diese offerierte Traumreise dauerte tatsächlich 138 Tage. Dabei konnten die Weltreisenden 59 Städte bestaunen und sich in 37 Häfen amüsieren – entlang einer Fahrtroute, die 25 Länder passierte und dabei reichlich Abenteuer, Kultur und Natur bot: für die Zeitgenossen ein Seereiseluxus ohnegleichen.

So erstaunt es nicht, dass kaum jemand auf den beiden deutschen Luxuslinern seine Weltreise unterbrach. Die Langzeitpassagiere wollten ihren Lebenstraum zu Ende träumen und waren dabei praktisch zu ihrem Glück gezwungen. Denn Fluglinien, die heute die Gäste zum jeweiligen Liegeplatz des Schiffs bis in die entferntesten Winkel der Erde und nach der Kreuzfahrt wieder zurück in die Heimat bringen, gab es noch nicht. Und eine Rückreise auf einem anderen Dampfer, womöglich aus der Südsee, wäre viel zu zeitraubend und umständlich gewesen.

Der lange Schiffsaufenthalt wirkte sich vielmehr förderlich auf das Bordklima aus. Sehr bald schon fanden sich Gleichgesinnte zusammen und bildeten eine Art Großfamilie. Flirts, Amouren und Verlobungen machten in den Salons die Runde. Und es wurde sogar geheiratet auf der „Reliance“ und der „Resolute“. Deren Kapitäne übernahmen, wenn auch nur symbolisch, die Rolle des Standesbeamten und verliehen dem Brautpaar nicht nur eine feierliche Urkunde, sondern dem ganzen Fest und dessen Gästen einen besonderen maritimen Glanz.

Neben den vielen festlichen Anlässen an Bord lockten die Abenteuer während der Landgänge – hinein in die exotischen Welten von Indien, Südostasien, Fernost, Australien, Neuseeland und der Südsee. Selbst weit ins indi-sche Hinterland, bis zum Mausoleum Taj Mahal südlich von Neu Delhi, wurden die HAPAG-Gäste per Bahn von der Küste transportiert – und waren tief beeindruckt von der indo-islamischen Baukunst aus dem Jahre 1648. Und vom Hafen Kalkutta an der Nordostküste Indiens stiegen die Passagiere ebenfalls in einen Zug, der sie entlang des Gangesufers bis nach Benares brachte, der heiligen Totenstadt der Hindus, heute Varanasi genannt.


 

Die "Reliance" vor karibischen Vulkaninster

Schon damals tauchten einheimische Bootsleute nach Münzen, die die Passagiere über Bord warfen.

Original-Lithografien von Albert Fuss im Format 42 x 60 cm werden heute noch gehandelt.  

 

 

 

 

 

 

Plakat-Sammlung: Helmut Cauer
www.schiffsplakate.de




Touristische Höhepunkte
Einen der touristischen Höhepunkte im damaligen britischen Weltreich aber stellte Burma dar, das heutige Myanmar, etwa mit seiner Shwedagon-Pagode in Rangun, auf deren Dächern mehr Gold ruhen soll als in der Bank von England. Die märchenhaften Tempelanlagen, die eindrucksvolle Natur und die heitere Gelassenheit, mit der die Menschen dort über den Dingen zu stehen scheinen, besaßen für die Reisenden aus dem Westen seit jeher eine magische Anziehungskraft.

Die britische Kronkolonie Hongkong, eines der nächsten Highlights, hatte sich schon damals zu einer modernen Metropole entwickelt. Stadtrundfahrten und Besichtigungen waren dort besonders unter deutschen Seereisenden beliebt.
Japan hingegen verblüffte vor rund 80 Jahren selbst ausgewiesene Landeskenner. Alle Romantik vergangener Zeiten im Reich der aufgehenden Sonne schien beinahe verschwunden. Die Passagiere erlebten ein hochentwickeltes Land mit modernsten technischen Einrichtungen. Das alte Nippon hatte ganze Entwicklungsstufen übersprungen – nicht zuletzt durch das verheerende Erdbeben im Jahre 1923. Die zerstörten Städte waren beim Neuaufbau radikal modernisiert worden.

Von Japan ging es weiter der Sonne entgegen – in die Südsee mit ihren zigtausend Inseln. Im schier ­grenzen­losen Pazifik waren viele See­tage angesagt – Erholung pur auf den schwimmenden Grandhotels „Reliance“ und „Resolute“. Zum Finale dann die Heimreise via Südamerika und durch den Panamakanal nach New York.

7000 Euro für die 138-tägige Erdumrundung
Mehr als viereinhalb Monate waren die Globetrotter unterwegs gewesen und hatten dabei den Globus einschließlich vieler Abstecher umrundet. Angesichts der drei turbinengetriebenen Schrauben auf den HAPAG-Schwesterschiffen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 17 Knoten – 31 Stundenkilometer – keine sehr lange Zeit und nach heutigen Maßstäben auch nicht sehr teuer. Umgerechnet nur 7000 Euro hatte die 138-tägige Erdumrundung den Gast in der billigsten Klasse gekostet. Damit kann man auf den heutigen Luxuslinern von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gerade mal eine zweiwöchige Reise in Übersee bezahlen.

Doch nicht nur zu Weltreisen hatten die luxuriösen HAPAG-Schwestern ihre Leinen losgemacht. Nach ihrem traditionellen Liniendienst nach New York, als ihre Rümpfe noch schwarz gestrichen waren, traten sie ab 1926 ihre glorreiche Zeit als weiße Kreuzfahrtschiffe an und besuchten mit Tausenden Seetouristen Ziele im Mittelmeer sowie in der Nord- und Ostsee.
Nach Meinung heutiger Marketing-Experten war dies bereits hochmodernes Kreuzfahrt-Management. Die Reederei lud Neulinge zu Schnupperfahrten ein: etwa von Hamburg via Cuxhaven und Helgoland in einen norwegischen Fjord. „Wochenend-Hochseefahrten“ hieß das Angebot  auf Plakaten, die in ganz Deutschland aushingen – drei Tage „bei voller Verpflegung“ für nur 60 Reichsmark, rund 180 Euro.

Solche Minikreuzfahrten auf der „Reliance“ und der „Resolute“ sollten die Passagiere vom soliden Luxus und Komfort der Schiffe überzeugen – und womöglich auf eine Weltreise locken.

 

Text: Helmut Cauer




 

 

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