21.11.2011 / Leistungssport
3. Jugendgolfkongress setzt Impulse
Mit hochkarätigen Referenten wie Olympiamedaillenge- winnerin Steffi Nerius (Speerwurf) und dem langjährigen Basketball-Bundestrainer.
Dirk Bauermann blickte der Deutsche Golf Verband beim 3. Jugend-Golfkongress am 18. und 19. November mit fast 300 Gästen auf Olympia 2016.
Golf kehrt 2016 in das Programm der Olympischen Spiele zurück. Nach mehr als 100 Jahren Unterbrechung werden jeweils 60 Männer und Frauen um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Um noch gezielter die jungen Sportler für den Hochleistungssport Golf begeistern zu können, blickte der dritte Jugendgolf-Kongress im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum über den Tellerrand hinaus. Hochkarätige Referenten aus anderen Sportarten gaben spannende Einblicke und machten die Faszination Olympia greifbar.
Der langjährige Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann sprach über die besonderen Erfahrungen, die eine Olympia-Teilnahme mit sich bringt.
Den fast 300 anwesenden Golfprofessionals, Jugendtrainern und Funktionsträgern aus Verbänden und Clubs wurden dadurch viele Anregungen präsentiert, welche zusätzlichen Impulse im Kinder- und Jugendtraining für die Förderung der Leistungsentwicklung gegeben werden können.
DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer umriss bei der Kongress-Eröffnung seine Erwartungen: „Nicht alles, was wir hier hören, ist direkt auf Golf zu übertragen. Jeder der Teilnehmer ist aber aufgefordert, bei sich zu schauen, was man aus den Vorträgen und Diskussionen ziehen und mit nach Hause nehmen kann. Seien wir kreativ!“
DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer
Impulse von Dirk Bauermann und Steffi Nerius
Dirk Bauermann am Anfang und Steffi Nerius am Ende sorgten mit sehr emotionalen Schilderungen ihrer Erfahrungen bei Olympischen Spielen dafür, dass die Kongressteilnehmer eine Vorstellung davon bekommen, was es für den einzelnen Sportler, aber auch für eine ganze Sportart bedeutet, bei Olympia am Start zu sein.
Dirk Bauermann, derzeit Coach beim Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern München, hat als Trainer der Basketballnationalmannschaft über Jahre Entwicklungen mitgeprägt. „Man kann nur allen gratulieren, die zu Olympia hingehen können, weil sie eine Erfahrung erleben werden, die es sonst nicht gibt. Ich war bei mehreren Welt- und Europameisterschaften. Aber es gab nichts Großartigeres als diese Erfahrung Olympia!“
Steffi Nerius, die 2004 in Athen die Silbermedaille im Speerwurf gewonnen hatte und in ihrer Laufbahn zahlreiche Titel und Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewann, plauderte über ihre reichhaltigen, emotionalen Erfahrungen bei Olympischen Spielen. Aus den Erlebnissen bei Meisterschaften habe sie stets Motivation für hartes und intensives Training gezogen, so Nerius.
Die Ziele des DGV
Diesen Spielball nahm Florian Bruhns gerne auf. „Nach der Vision Olympia haben wir nun die Vision Gold. Das ist ein großer Schritt“, sagte der Sportdirektor des DGV. Allerdings seien im Golfsport, anders als bei praktisch allen anderen Sportarten, die besten Athleten, die Profispieler, nicht unter dem Dach der nationalen Verbände organisiert, sondern selbständige Unternehmer. Erfolge sind von Einzelnen abhängig. Dennoch sei der Verband gefordert, Rahmenbedingungen zu setzen und Strukturen zu schaffen, so dass möglichst viele Golfer erfolgreich sportlich wachsen könnten.
„Der Wettkampf ist das Herz des Sports, das Wettkampfsystem die Seele des Verbands“, sieht Florian Bruhns einen Kernanspruch an den DGV. „Nur aus einer starken nationalen Wettkampfstruktur heraus entstehen die Spieler-Generationen, mit denen sich zielkonforme, internationale Erfolge generieren lassen.“
Wichtig sei es zudem, Spitzengolfer auf dem Weg ins Profigeschäft zu unterstützen. Um auf Dauer die größtmögliche Anzahl an Spielern auf die Touren zu bringen, seien ein funktionierender Nachwuchsbereich, ein Spitzenamateurbereich und gute Jungprofis nötig. Florian Bruhns appellierte an die Kongress-Teilnehmer: „Dieses alles bedeutet viel Arbeit, Visionen und den Willen, den Golfsport zu fördern. Lassen Sie uns gemeinsam danach streben: Vision Gold!“
DGV-Sportdirektor Florian Bruhns
Was zeichnet einen guten Trainer aus?
Der Cheftrainer „Field“ im Deutschen Leichtathletik-Verband Herbert Czingon zeigte anschließend auf, welche Funktion der Trainer einnimmt und was es bedeutet, ein guter Trainer zu sein. „Trainer zu sein heißt, Menschen zu verändern“, sagte Czingon. Dem Trainer komme auch eine pädagogische Verantwortung zu, den jungen Sportler auf dessen Ziele hin vorzubereiten.
Ressourcen für Erfolge wachsen bei Trainern laut Czingon im Laufe ihrer Tätigkeit: Zum Talent kommen Fertigkeiten, die bei Aus- und Weiterbildung gewonnen werden. Nach und nach wächst der Erfahrungsschatz. Die Kombination aus diesen Faktoren zeichne einen guten Trainer aus.
Leistungsreserve Sprungkrafttraining
Spannend und sehr praxisrelevant zeigte Wolfgang Killing, Leiter der Trainerschule des Deutschen Leichtathletik Verbands, wesentliche Elemente einer soliden, allgemeinen athletische Ausbildung am Beispiel Sprungarbeit.
Um Fortschritte in technischen Bereichen seiner Disziplin erzielen zu können, bräuchten junge Sportler ein solides Fundament an Kraft und Ausdauer, da ansonsten Fehlhaltungen oder falsche Übungsausführungen den Trainingseffekt bei technischen Übungen zunichte machen könnten.
Die Relevanz des Sprungkrafttrainings für den Golfsport unterstrich DGV-Bundestrainer Ulrich Eckardt (Jungen). Aus seiner Sicht gibt es eine klar zu erkennende Korrelation zwischen Sprungkraft und Schlaglänge. Daher werde bei den Jungen regelmäßig Sprungkrafttraining durchgeführt. Auch im Damengolf gehören bei den Nationalkadern solche Übungen standardmäßig zum Training.
Leistungsreserve Langhanteltraining
Dass die Sportarten Golf und Gewichtheben gar nicht so weit auseinander liegen, stellte Diplom-Trainer Martin Zawieja, Olympia-Bronzemedaillengewinner im Gewichtheben, heraus. Bei beiden Disziplinen gehe es um komplexe Bewegungsmuster mit explosiver Kraftentfaltung, bei denen die Koordination der unterschiedlichsten Muskeln perfektioniert werden müsse, um Spitzenleistungen bringen zu können.
Zawieja sieht im Langhanteltraining die Zukunft. Krafttraining diene immer einem langfristigen Leistungsaufbau. Durch die Erhöhung der muskulären Leistungsfähigkeit einzelner Muskelgruppen und -ketten könne der Sportler auf ein Niveau gebracht werden, das alleine mit golfspezifischen Belastungen nicht zu erreichen sei.
Bedeutung von Trainingswissenschaft wächst
Zum Abschluss des ersten Tages fasste DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer die vielfältigen Themen kurz zusammen und stellte fest, dass viele Räder bewegt werden müssten, um im Leistungssport erfolgreich zu sein. Die Trainingswissenschaft sei im Golfsport erst seit den 90er Jahren ein Thema, aber die Bedeutung wachse. „Daher bin ich dankbar für die interessanten Einblicke, die wir heute bekommen haben“, so Nothelfer. „Nutzen wir den Input, um Schritt für Schritt da hinzukommen, wo andere Sportarten schon lange sind.“
Das biologische Alter
Mit einem fundierten Vortrag eröffnete Ernst Bernhard Zwick den zweiten Kongresstag. Die Optimierung der Trainingssteuerung im Kinder- und Jugendgolf durch Berücksichtigung des biologischen Alters wurde von dem Mediziner der Orthopäde an der Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie in Graz sehr plausibel erklärt. Nicht alle Kinder im Alter von sechs Jahre seien im gleichen Entwicklungsstand. Eine optimale Förderung sei daher nur möglich, wenn der Professionell oder Trainer wisse, in welchem Alter was sinnvoll trainiert werden sollte und kann.
Kinder behutsam aufzubauen und nicht zu früh auf Wettkampfergebnisse zu schauen, sei ein wichtiger Schritt, um nachhaltig erfolgreiche Sportler formen zu können.
Qualität und Quantität im Kinder- und Jugendtraining
Fabian Bünker und Christian Lanfermann, beide A-Trainer DGV und Diplom-Trainer in Ausbildung, erklärten in ihrem Vortrag, mit welchen spezifischen Problemen der Golfsport im Vergleich zu anderen Sportarten zu kämpfen hat, um sich als Leistungssport zu präsentieren.
Allgemein gelte die 10.000-Stunden-Regel. Nach zehn Jahren, was in etwa 10.000 Trainingsstunden entspreche, sei in den meisten Sportarten der Leistungszenit erreicht. Im Golf sei es eher doppelt soviel Aufwand, denn oft seien die Sportler, die mit sechs Jahren angefangen haben, erst mit 26 Jahren fest auf der Tour etabliert.
Dass Deutschland bei 610.000 Golfern nur einen Sportler unter den Top 20 der Welt und nur 13 Aktive auf den internationalen Touren hat, führte Bünker zu dem Schluss: „Es gibt zu wenige Kinder und Jugendliche, die ein Handicap von 36 oder besser haben.“ Die Quantität sei nicht ausreichend, daraus folge auch ein Defizit an Qualität.
Das Fazit der beiden angehenden Diplom-Trainer: Es muss stärker eine Sportphilosophie in den Clubs verankert werden, und es müssen kindgerechte Wettspielangebote geschaffen werden. Die Forderung von Fabian Bünker und Christian Lanfermann an ihre Kollegen lautet: „Wir müssen Sporttrainer werden! Wir müssen eine Passion für Jugendgolf auf allen Ebenen entwickeln!“
Gründung eines Fördervereins
Um die Kosten einer intensiven Jugendarbeit aufbringen zu können, ist die Einrichtung eines Fördervereins ein gutes Werkzeug. Der ehemalige Jugendbeauftragte des DGV, Professor Kurt Pielsticker und Uwe Kürschner, Jugendwart Zimmerner GC, berichteten über ihre Erfahrungen bei der Gründung von Fördervereinen sowie über Gestaltungsmöglichkeiten, diesen mit Leben zu erfüllen.
Der Weg, einen Förderverein zu gründen und die Gemeinnützigkeit zu beantragen sei nicht kompliziert und werde vom DGV durch eine Mustersatzung sehr erleichtert.
Fazit der Veranstaltung
Die meisten Referenten gaben zu verstehen, dass der Talentbegriff überfordert werde. Letztlich sei harte und konsequente Arbeit der Schlüssel zum Erfolg.
Dies wurde auch beim abschließenden Sportlertalk deutlich, bei dem LET-Spielerin Caroline Masson, Lara Katzy und Benedict Staben als Kaderspieler des DGV, Nationaltrainer Stephan Morales und Steffi Nerius in unterhaltsamer Art von Moderator Uwe Bornemeier befragt wurden.
DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer fasste die beiden intensiven Kongresstage prägnant zusammen: „Sportler gewinnen die Titel. Wir schaffen nur den Rahmen. Aber wir sind auf alle Titel stolz, die gewonnen werden. Ich nehme aus Paderborn mit: Wir können von anderen Sportarten noch viel lernen. Es ist nicht alles 1:1 übertragbar, aber Impulse können gesetzt werden. Wir müssen dazu die Weichen stellen.“
Die Kongressteilnehmer verabschiedet der DGV-Präsident mit den Worten: „Sie sind Teil der Arbeit auf dem Weg nach Olympia!“
Quelle und Foto : www.golf.de/dgv